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Skulpturenradweg feiert runden Geburtstag

Die Bürgermeister der RIO Gemeinden mit ihren Fahrrädern vor der StraßenskulpturOsterburken/Bauland. (ene) Das „Museum in der freien Natur“ wird 20 Jahre alt. Anlass genug für die fünf Gemeinden des Regionalen Industrieparks Osterburken (RIO) Adelsheim, Osterburken, Ravenstein, Rosenberg und Seckach sowie die Stadt Buchen, ihr interkommunales Leitprojekt, den Skulpturenradweg, passend zum Beginn der Fahrradsaison, gehörig in den Mittelpunkt zu stellen, Geburtstag zu feiern und sich bewusst zu machen, welch besonderen Schatz man hier in der Region Odenwald-Bauland beherbergt.

Die damals einmalige Kombination von Kunst und Natur hat mit den Jahren nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Im Gegenteil – neue Skulpturen kamen hinzu, und sie lädt ungebrochen ein, einzutauchen in diese zeitgenössischen Kunstwerke, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sich von der sich im Jahreslauf verändernden Natur verzaubern zu lassen. Die 77 Kilometer lange Strecke, die an weitere Radwege angebunden ist, wird von 25 in ihrer Vielfalt und Kreativität kaum zu überbietenden Kunstobjekten gesäumt, die von jungen Kunsthochschulabsolventen und Studierenden geschaffen wurden. Dunkel und licht, ober- und unterirdisch, mächtig und filigran, auffällig und bescheiden präsentieren sie sich dem Betrachter in der reizvollen Landschaft der Region und öffnen gleichzeitig den Blick weit darüber hinaus. So wähnt sich der Rastende bei der „Welle“ am Meer, der Wellengang begleitet ihn gar ein Stück weit des Weges. Der „Manta“ entführt ihn, je nach Sichtweise, in Meerestiefen und in die mystische Welt des Mantarochens oder ganz rasant zu einem in der Kurve liegenden, kultigen Opel Manta. Das raumschiffartige „Flugobjekt“ lenkt die Gedanken in die Lüfte, „Subterran“ unter die Erde in einen Tunnel.

Lässt man sich auf die Objekte ein, durchlebt man die unterschiedlichsten Emotionen. Mal wirken sie beruhigend-meditativ, mal aufwühlend-provokant, mal stimmen sie nachdenklich, hinterlassen ein undefinierbares Unbehagen oder herzerwärmende Freude. Gemein ist ihnen allen, und da waren sich die Bürgermeister Jürgen Galm, Ralf Killian, Thomas Ludwig und Ralph Matousek beim Pressegespräch einig: Sie ziehen den Betrachter in ihren Bann. Der raue, rostige Stahl des „Waldstücks“, die glatte Oberfläche der an Eisbären erinnernden Fabelwesen oder die den Blick lenkenden Klammern beim „Standpunkt zur Betrachtung der Welt“ verschmelzen eingebettet in die Landschaft mit dieser. Hierdurch lässt sich erahnen, wie die Natur sukzessive ihr Terrain zurückerobern wird.

Immer wieder spielen auch der Weg sowie die Bewegung eine Rolle, wenn etwa der hohe Wellen aufwerfende Asphaltteppich der „Straße“, der aktuell ganz „en vogue“ bei motorisierten Bikern ist, zum Hindernis wird. Natur und Skulpturen stehen auf Augenhöhe zueinander, die Natur wird ebenso gesehen und gefühlt, wird gehört und gerochen. Der feuchte Waldboden bei „Wechselwild“, wogende Getreidefelder oder frisch gemähte Wiesen kitzeln in der Nase, Vogelgezwitscher klingt in den Ohren, Windhauch oder Sonnenstrahlen umschmeicheln das Gesicht, vermischen sich mit den Kunstobjekten und werden zu einem einzigartigen, individuell auf den Betrachter abgestimmten Gesamtkunstwerk.

Dieses verdient alle Aufmerksamkeit, betonen die Rathauschefs, und Marlies Ebel-Walz vom Zweckverband RIO ergänzt, dass man anlässlich des Jubiläums unausgeschöpftes Potenzial beim Tourismus angehen und überregional verstärkt mit Social-Media-Kampagnen werben wolle.

Darüber hinaus biete man von Mai bis August rund um den Skulpturenradweg in Zusammenarbeit mit den Kommunen, Kooperationspartnern und Künstlern Veranstaltungen an. „Wir wollen, dass die Menschen mit den Künstlern ins Gespräch kommen“, blickt Ebel-Walz bereits voller Vorfreude auf die Events und sprudelt nur so vor Ideen. Bobbycar-Rennen, Rikscha-Fahren, Aktionen mit Kunstschulen, begleitete Touren, Tipps von der Verkehrswacht und dem ADFC: Man darf gespannt sein, was der Jubiläumsreigen alles bereithält.

Bewusst habe man sich gegen ein großes Fest entschieden, sondern docke vielmehr an in den Kommunen etablierte Veranstaltungen an. „Hierdurch entstehen Synergien, die wir nutzen“, erklärte Galm und bekannte freimütig, dass einzelne Streckenabschnitte noch nicht in optimalem Zustand seien. In Kürze werde im Rahmen der Flurbereinigung der Abschnitt zwischen Osterburken und Adelsheim sowie von Adelsheim nach Sennfeld gemacht. „Darüber sind wir sehr froh“, freute sich Galm in der Hoffnung, bei den Feierlichkeiten unbeschwertes, schlaglochfreies Radelvergnügen bieten zu können. „Die Lust am Radfahren und Wandern ist ungebrochen“, bekräftigte Ebel-Walz und verwies auf Sonnenliegen an der Strecke zum Erholen, Reflektieren und Genießen. Zudem könne man sich an den Kunstwerken ein Päuschen gönnen, denn der Streckenverlauf sei mitunter durchaus herausfordernd, wobei hier der E-Bike-Boom vorteilhaft sei.

Attraktiv sei auch die Bahnanbindung von Heidelberg kommend mit der S-Bahn, von Stuttgart oder Würzburg mit der Regionalbahn. E-Bike-Ladestationen, Fahrradwerkstätten und Servicestationen mit Werkzeugen stehen bedarfsorientiert zur Verfügung. Und auch die Verpflegung betreffend sei mit Regio-Automaten, Lebensmittelmärkten mit angeschlossenen Cafés, Gaststätten und Hotels für Speis, Trank und eine erholsame Nacht gesorgt. Wichtig sei dennoch, die Tour gut zu planen und sich über Öffnungszeiten und dergleichen zu informieren, riet die Fachfrau. Dann stehe einem ungetrübten Radelspaß nichts mehr im Wege, nicht einmal schlechtes Wetter, denn, so Seckachs Bürgermeister Thomas Ludwig augenzwinkernd: „Wir haben bereits frühzeitig gutes Wetter bestellt.“