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Standpunkt

Standpunkt (zur Betrachtung der Welt)

Standpunkt ZeichnungVier gebogene Aluminiumgebilde ragen auf einer Anhöhe drei Meter nach oben. Es handelt sich um zwei Klammernpaare, die leicht versetzt auf einer Ausbuchtung des Radweges stehen und die Landschaft in einer Rundung rahmen.

Je nach Standpunkt, wie nah oder fern der Betrachter sich an den Klammern bewegt, werden leicht verschobene Landschaftsausschnitte wahrnehmbar. Das Einnehmen einer Position erlaubt es, auch andere Betrachter beim Verweilen in der Klammer wahrnehmen zu können. Es entsteht die Situation des Beobachters der Beobachter.

Das Skulpturenpaar erinnert an die Klammern, die in einem Text etwas Ausgespartes oder Nebensächliches bezeichnen. Die Assoziation der Klammer im Text verweist auf eine mögliche Lesbarkeit der Landschaft.

Die Skulptur kreiert in ihrer Betonung ein Paradoxon: Sie lenkt den Blick durch die Klammern, der Betrachter soll fokussieren oder einen Perspektivenwechsel durch das zweite Klammernpaar wagen. Zugleich wird Landschaft zu etwas Ausgespartem, Nebensächlichem, zu einer beiläufigen Klammer im Vorbeifahren. Veronika Rettich lässt mit ihrem Werk ein Moment der Konzentration auf ein Detail der Landschaft entstehen, das im gleichen Zuge dazu führt, sich selbst in der Landschaft und die Landschaft als Teil der Welt wahrzunehmen. Das Fokussieren eines Details wird zum Instrument der Wahrnehmung eines Ganzen gerade durch die Einklammerung breitet sich die Landschaft in ihrer Größe vor dem Betrachter aus.

Skulptur von Veronika Rettich

Der Künstler

Veronika RettichVeronika Rettich absolvierte 2007 ihr Kunststudium als Meisterschülerin von Prof. Harald Klingelhöller an der Akademie für Bildende Künste Karlsruhe. Zuvor besuchte sie die Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Berchtesgaden (Gesellenbrief).

Neben zahlreichen Ausstellungen realisierte sie mehrere Arbeiten im öffentlichen Raum, darunter die Außenskulptur „Milde Dämmerung hüllt die Welt in Schweigen / 5 Takte“ im Donaupark Tuttlingen sowie ein Kunst-am-Bau-Projekt für die DHBW Lörrach, das aus einem Wettbewerbsgewinn hervorging: 360° Tour

Bis 2008 wurde sie von der Galerie pitrowski Berlin vertreten und stellte unter anderem in der 14-1 Galerie in Stuttgart aus. Anschließend lebte und arbeitete sie in London, wo sie ihre künstlerische Praxis mit einem Gesangsstudium erweiterte und 2018 einen Master of Music in Performance (MMus) abschloss.

Gesang und Bildhauerei sind in ihrem Werk eng miteinander verbunden. Diese Verbindung zeigt sich auch in Arbeiten mit performativem Charakter, in denen Stimme, Körper und skulpturale Präsenz ineinandergreifen. 2025 entstand beispielsweise ein Video als Beitrag zur Jubiläumsveranstaltung der Galerie Schau Fenster Berlin.

Weitere Arbeiten und Projekte finden sich auf ihrer Webseite.

Über die Skulptur
  • Erbaut 2005
  • Aluminium, schwarz lackiert (H 3 m)