Skulpturen

Nach Gemeinden:

Kunst in der Natur

Noch dazu Werke, auf die man sich auf den ersten Blick vielleicht keinen Reim machen kann oder die gar Abwehrreaktionen auslösen

Retrograde Umgestaltung - Skulpturenradweg | Skulpturen am Radweg - Kunst in der Landschaft

RETROGRADE UMGESTELUNG

Skulptur von Daniel Beerstecher

Icon Retrograde UmgestelungEine gefällte Eiche aus der unmittelbaren Umgebung wurde in Bretter zerlegt, einem Stahlkern angepasst und anschließend wieder zu einem Ganzen zusammengesetzt.

Die ursprüngliche Form der Eiche hat nichts mehr gemeinsam mit der Form des skulpturalen Baumes, der sich nun, transformiert und auf einem Fundament verschraubt, als Stamm mit geschälter Rinde aus dem Boden erhebt. Lamellenartig zersägt, umfasst der Eichentorso einen Fremdkörper, der mit seinen stählernen Ablegern aus dem Stamm herausragt und den gewaltigen Eingriff sichtbar macht.

Der Baum erweckt den Eindruck, unvollendet oder gar tot zu sein, kommt also nie an die Schönheit eines lebenden Baumes heran. Das Kunstwerk ist trotz seines beständigen Holzes den natürlichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Die Stahlableger werden im Laufe der Zeit rosten und in einem Prozess der Veränderung ihr ursprüngliches Aussehen verlieren.

Der Künstler setzt sich in seinem Werk mit dem widersprüchlichen Verhältnis des Menschen zur Natur auseinander. Durch Zersiedelung, Versiegelung des Bodens oder Umweltverschmutzung zerstört der Mensch die Natur. Im gleichen Zuge schafft er Naherholungsgebiete, renaturiert Flüsse und schützt sich vor Naturkatastrophen, die durch Zerstörung der Landschaft entstehen.

Destruktion schafft die Voraussetzung für Renaturierung. Diese kommt allerdings in keiner Weise an den ursprünglichen Zustand der Natur heran. Die retrograde, also rückläufige Umgestaltung wird zum Sinnbild der Wechselwirkung von Zerstörung und Kreation, von Beständigkeit und Veränderung. Die Wahl einer deutschen Eiche mit ihren bedeutungsvollen Assoziationen eröffnet ein weiteres Feld der Interpretation.